Fieber beim Kind: Wann abwarten, wann zum Arzt
Der wichtigste Satz
Nicht die Höhe des Fiebers entscheidet, sondern wie das Kind wirkt.
Ein Kind mit 39,5 °C, das trinkt, reagiert und zwischendurch spielt, ist in der Regel weniger besorgniserregend als eines mit 38,2 °C, das apathisch ist und nicht trinken will.
🔴 Sofort: 112 oder Kinderklinik
- Säugling unter 3 Monaten mit Fieber ab 38 °C – ohne Ausnahme und unabhängig vom Verhalten
- schwer weckbar, apathisch, reagiert nicht wie sonst
- schnelle, angestrengte Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen oder am Hals, Nasenflügeln, bläuliche Lippen
- Hautausschlag, der sich unter Glasdruck nicht wegdrücken lässt – ein Glas fest auf die Flecken drücken; bleiben sie sichtbar, sofort 112
- Nackensteife, starke Kopfschmerzen, Lichtscheu
- Krampfanfall, besonders erstmalig oder länger als fünf Minuten
- Trinkverweigerung mit Zeichen der Austrocknung: trockener Mund, keine Tränen, deutlich weniger nasse Windeln, eingefallene Fontanelle
- Fieber bei einem Kind mit Grunderkrankung oder geschwächtem Immunsystem
🟠 Heute in die Praxis
- Fieber bei einem Säugling zwischen 3 und 6 Monaten
- Fieber, das länger als drei Tage anhält
- Fieber, das nach einer fieberfreien Phase erneut auftritt
- Ohrenschmerzen, starke Halsschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen
- anhaltendes Erbrechen oder Durchfall mit wenig Trinken
- ein Kind, das deutlich schlechter wirkt als bei einem gewöhnlichen Infekt
🟢 Beobachten zu Hause
Wenn Ihr Kind älter als sechs Monate ist, trinkt, phasenweise wach und ansprechbar ist und keines der Warnzeichen zeigt, ist Beobachten vertretbar. Die meisten Fieberepisoden im Kindesalter gehen auf harmlose Virusinfekte zurück und klingen in wenigen Tagen ab.
Was zu Hause hilft
Trinken ist wichtiger als Essen. Bei Fieber steigt der Flüssigkeitsbedarf. Kleine Mengen häufig anbieten. Appetitlosigkeit über ein paar Tage ist unproblematisch.
Nicht zu warm einpacken. Leichte Kleidung, kühle, nicht zugige Raumluft.
Ruhe, aber kein Zwang zum Bett. Kinder regulieren das meist selbst.
Fiebersenkende Mittel – wenn das Kind leidet, nicht zur Ruhe kommt oder nicht trinkt. Dosierung nach Gewicht, nicht nach Alter, und nach Packungsbeilage oder ärztlicher Anweisung. Beachten Sie den Mindestabstand zwischen Gaben.
⚠️ Keine Acetylsalicylsäure bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Infekten – wegen des Risikos eines Reye-Syndroms. Diese Substanz gehört bei Kindern nur in ärztlich verordnete Ausnahmefälle.
Wadenwickel können angenehm sein, sind aber nicht nötig – und bei kalten Händen und Füßen ungeeignet.
Fieberkrampf
Er sieht dramatisch aus und ist bei Kindern zwischen etwa sechs Monaten und fünf Jahren nicht selten. Meist endet er nach wenigen Minuten von selbst.
Was zu tun ist:
- Ruhe bewahren und auf die Uhr sehen
- Kind auf eine weiche, sichere Unterlage legen, harte Gegenstände wegräumen
- Nichts in den Mund stecken – keine Finger, kein Löffel, nichts zu trinken
- Nicht festhalten, keine Bewegungen unterdrücken
- Wenn möglich in stabile Seitenlage
112 wählen, wenn der Krampf länger als fünf Minuten dauert, sich wiederholt, das Kind danach nicht wach wird oder es der erste Krampfanfall ist.
Auch ein kurzer erster Fieberkrampf gehört ärztlich abgeklärt.
Richtig messen
- Rektal ist bei Säuglingen und Kleinkindern am zuverlässigsten
- Ohr und Stirn sind bequemer, aber ungenauer, besonders bei Säuglingen
- Nach dem Baden, Toben oder unter dicker Decke fällt der Wert zu hoch aus – kurz warten
Wenn der gemessene Wert nicht zum Eindruck passt, den Ihr Kind macht, glauben Sie dem Eindruck und messen Sie rektal nach.
Was Sie zum Termin mitbringen
- gelbes Untersuchungsheft und Impfpass
- Temperaturverlauf: seit wann, wie hoch, womit gemessen
- was Sie gegeben haben, in welcher Dosis, wann zuletzt
- Trink- und Windelmenge
- Besonderheiten: Ausschlag, Erbrechen, Durchfall, Kontakt zu erkrankten Personen
Dieser Beitrag hilft bei der Einordnung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung; bei Säuglingen und bei Unsicherheit entscheiden Sie sich für die frühere Vorstellung.
- Ab welcher Temperatur hat ein Kind Fieber?
- Als Fieber gilt üblicherweise eine Körpertemperatur ab 38,5 °C, als erhöhte Temperatur der Bereich darüber 37,5 °C. Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt bereits eine Temperatur ab 38 °C als Grund für eine sofortige ärztliche Vorstellung – unabhängig davon, wie das Kind wirkt.
- Muss Fieber immer gesenkt werden?
- Nein. Fieber ist eine sinnvolle Abwehrreaktion. Entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Thermometer, sondern wie es dem Kind geht. Fiebersenkende Mittel sind sinnvoll, wenn das Kind leidet, schlecht trinkt oder nicht zur Ruhe kommt – nicht, um einen bestimmten Wert zu erreichen.
- Was tue ich bei einem Fieberkrampf?
- Ruhe bewahren, das Kind auf eine weiche Unterlage legen, Umgebung sichern, nichts in den Mund stecken, nicht festhalten. Auf die Uhr sehen. Die meisten Fieberkrämpfe enden nach wenigen Minuten von selbst. Dauert er länger als fünf Minuten oder tritt er erstmals auf, wählen Sie die 112. Auch ein kurzer erster Fieberkrampf sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Wie messe ich bei kleinen Kindern am genauesten?
- Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die rektale Messung am zuverlässigsten. Ohr- und Stirnmessungen sind bequemer, aber ungenauer – besonders bei Säuglingen. Wenn ein Messwert nicht zum Zustand des Kindes passt, messen Sie rektal nach.